Neulich an einem Mittwochnachmittag im Theo-Club in der Grundschule in Aglasterhausen:
Nachdem wir zu Beginn das Vaterunser gebetet haben, sagt plötzlich Marlon (9 Jahre alt) in die Runde: „Das, was wir da immer beten, stimmt doch so gar nicht. Also, ich denke, dass ich für Gott doch nur wie Luft bin. Ich habe gestern nämlich meinen neuen Pulli in der Schule verloren und nicht mehr wiedergefunden. Aber Gott scheint das ja nicht zu interessieren.“
Nachdem wir zu Beginn das Vaterunser gebetet haben, sagt plötzlich Marlon (9 Jahre alt) in die Runde: „Das, was wir da immer beten, stimmt doch so gar nicht. Also, ich denke, dass ich für Gott doch nur wie Luft bin. Ich habe gestern nämlich meinen neuen Pulli in der Schule verloren und nicht mehr wiedergefunden. Aber Gott scheint das ja nicht zu interessieren.“
Ich frage dann in die Runde: „Was denkt ihr? Hat Marlon recht und Gott interessiert sich wirklich nicht für uns?“ Darauf Leon (9): „Ich glaube, dass Gott irgendwie so wie einer ist, der die Schrauben in meinem Kopf wieder repariert, wenn sie mal falsch sitzen und nicht mehr gerade sind. Dann kann ich wieder klar denken und alles wird besser.“ Vivien (8) meint: „Ja, und wenn ich Gott um etwas bitte, dann macht er das meist so, dass er nicht sofort hilft, sondern er macht, dass andere Menschen einem helfen“. Und Rebecca (9) sagt ganz freimütig: „Ich stelle mir Gott immer so vor, dass er einen Kopf hat wie mein Pferd, aber Hände wie ein Mensch.“ Und Leon fragt sich: „Ich weiß nur nicht, ob Gott auch mal schläft. Dann kann er ja nicht mehr den Menschen helfen, wenn sie ihn darum bitten.“
Und so entspannt sich ganz unvermittelt ein Gespräch, wie es fast idealtypisch für das „Theologisieren mit Kindern“ sein könnte: als die „religionspädagogische“ Praxis des theologischen Fragens und Antwortens gemeinsam mit Kindern; das Theologietreiben mit den Kindern als das gemeinsame und gleichberechtigte Fragen und Suchen quasi in einer generationenübergreifenden Forschergemeinschaft“ (Manfred Hilkert, 2013).
Marlon hat seinen Pulli übrigens wiedergefunden und war sehr erleichtert darüber. Ob er gemerkt hat, dass er für Gott nicht doch mehr ist als nur Luft?
Seit dem Schuljahr 2017/2018 wird das „Theologisieren mit Kindern“ im Kirchenbezirk Neckargemünd-Eberbach in den sogenannten „Theo-Clubs“ als freiwillige AGs im Nachmittagsunterricht an vier verschiedenen Grundschulen angeboten: Eberbach (Steige- u. Dr. Weiss-Grundschule), Aglasterhausen und Wiesenbach. Die Kinder können sich ab der 3. Klasse am Anfang des Schuljahres zu einem Theo-Club anmelden. Die Theo-Clubs werden von einer Pfarrerin und einem Pfarrer und einem Theologiestudenten geleitet, in Eberbach ist außerdem eine FSJlerin als Unterstützung mit dabei.
Ähnlich wie im Religionsunterricht beginnt jede Theo-Club-Stunde mit einem gemeinsamen Anfangsritual (Kerze anzünden, Lied, Gebet), dann erfolgt der Einstieg in das jeweilige Thema, entweder durch einen mitgebrachten Gegenstand oder eine Geschichte, woran sich das eigentliche (kinder-)theologische Gespräche anschließt.
Die Mädchen und Jungen haben dann die Möglichkeit, sich gestalterisch und kreativ zu betätigen (Malen, Basteln...) und als Abschluss wird meist noch etwas gemeinsam gespielt.
Im letzten Schuljahr hat der Theo-Club in Aglasterhausen z. B. auch den Weihnachtsschulgottesdienst in den Theo-Club-Stunden vorbereitet und dann auch selbst gestaltet.
Die Themen des Theo-Clubs sind vielfältig, hier nur einige Beispiele:
- Wie ist eigentlich die Welt entstanden?
- Hat Gott die Dinos gemacht?
- Wer hat Gott erschaffen?
- Wie sieht Gott aus und warum sieht man ihn nicht?
- Wie sieht die Zeit aus?
- Woher kommt das Glück?
- Warum sind manche Menschen gut und manche böse?
- Warum gibt es arme und reiche Menschen?
- Was sehen, denken oder fühlen Tiere?
- Wer bin ich eigentlich?
- Warum bin ich auf der Welt?
- Was wäre, wenn es mich nicht geben würde?
- Warum müssen Menschen krank werden und sterben?
- Warum lässt Gott das zu?
- Wird Gott nie sterben?
Auch wenn sich der Theo-Club und der „normale“ Religionsunterricht in vielem ähneln, so gibt es doch einige wichtige Unterschiede: Die Kinder des Theo-Clubs kommen freiwillig nach dem Unterricht und sind daher meist sehr motiviert. Die LeiterInnen des Theo-Clubs sind in der Auswahl der Themen viel freier, da sie sich nicht an Lehrplänen orientieren müssen. Von Vorteil ist auch, dass es keinen Notendruck gibt, da der Theo-Club ja eine AG ist. Am Ende des Schuljahres bekommt jedes Kind jedoch eine Teilnahme-Urkunde mit einem persönlichen Segenswunsch versehen.
Die LeiterInnen der Theo-Clubs haben auch die Erfahrung gemacht, dass durch die kleineren Gruppengrößen (zwischen 5 und 12 SchülerInnen) viel intensivere Gespräche möglich sind als im Religionsunterricht. Die Kinder haben so die Zeit und die Möglichkeit, auch über persönliche Dinge zu sprechen und nutzen dies auch rege.
So sagte Sophia (9) erst am letzten Montag im Theo-Club: „Das gefällt mir, dass wir hier im Theo-Club auch mal über andere Dinge reden können als im normalen Unterricht. Das würde ich mich da nämlich nicht trauen.“
Sophia kommt wie fast alle Kinder in Wiesenbach übrigens schon im 2. Jahr in den Theo-Club!
Die LeiterInnen der Theo-Clubs haben auch die Erfahrung gemacht, dass durch die kleineren Gruppengrößen (zwischen 5 und 12 SchülerInnen) viel intensivere Gespräche möglich sind als im Religionsunterricht. Die Kinder haben so die Zeit und die Möglichkeit, auch über persönliche Dinge zu sprechen und nutzen dies auch rege.
So sagte Sophia (9) erst am letzten Montag im Theo-Club: „Das gefällt mir, dass wir hier im Theo-Club auch mal über andere Dinge reden können als im normalen Unterricht. Das würde ich mich da nämlich nicht trauen.“
Sophia kommt wie fast alle Kinder in Wiesenbach übrigens schon im 2. Jahr in den Theo-Club!
Text: Markus Wäsch (Leiter der Theo-Clubs Aglasterhausen und Wiesenbach)






